Relativismus


Relativismus
   (lat. = Lehre von der verhältnismäßigen Geltung) bezeichnet die Auffassung, daß es eine universell geltende Wahrheit u. eine für alle Menschen geltende Sittlichkeit nicht gibt. Im Hinblick auf die Erkenntnis der Wahrheit weist der R. auf subjektive, veränderliche Bedingungen hin, die die Erkenntnis stärker beeinflussen als die objektiven Erkenntnisgegenstände. Solche Bedingungen sind mit dem sozio-kulturellen Kontext, mit psychischen Stimmungen, ökonomischen Verhältnissen usw. gegeben. Der ethische R. sieht die Grundsätze des moralischen Handelns ebenfalls von unterschiedlichen individuellen, kulturellen u. a. Faktoren bestimmt u. bestreitet die Existenz vernünftig begründbarer, allgemein verpflichtender ethischer Normen. Falls der radikale R. behauptet, der Mensch habe (in Erkenntnis u. Ethik) Verbindlichkeiten nur durch ein bestimmtes endliches System, neben dem es andere gleichberechtigte Systeme gebe, widerlegt er sich selber, weil eine solche These, wenn sie auf ein bestimmtes System bezogen wird, von diesem als falsch abgelehnt werden kann. In theol. Sicht existieren objektive Wirklichkeiten u. ”von außen“ gestiftete Verhältnisse zu ihnen, die nicht bloße Sätze u. Systeme sind u. die ”heilsentscheidend “ sind. Das Bekenntnis, daß Jesus wahrhaft vom Tod erweckt wurde, kann nicht relativistisch versöhnt werden mit der Aussage, er sei nicht auferstanden. Das Zutreffende am R. ist, daß alle universellen Geltungsansprüche (inWahrheitserkenntnis u. Sittlichkeit), sobald sie sprachlich formuliert werden, unter dem Einfluß kontextueller Faktoren formuliert werden, u. daß sie infolge der Geschichtlichkeit intensiv u. extensiv wachsen u. verändert werden können, so daß es statisch-zeitlosen, endgültigen ”Besitz“ nicht geben kann.

Neues Theologisches Wörterbuch. . 2012.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Relativismus — ist eine philosophische Denkrichtung, in der davon ausgegangen wird, dass die Wahrheit von Aussagen stets bedingt ist. Das bedeutet, dass jede Aussage auf Bedingungen aufbaut, deren Wahrheit jedoch wiederum auf Bedingungen fußt und so fort. Diese …   Deutsch Wikipedia

  • Relativismus — heißt in der Erkenntnistheorie diejenige Ansicht, nach der unserm Erkennen immer nur Beziehungen und Verhältnisse der Dinge, niemals aber die Dinge selbst oder ihre eigentlichen Grundeigenschaften gegeben sind. Als Stütze dient dem R. die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Relativismus — Re|la|ti|vis|mus 〈[ vı̣s ] m.; ; unz.〉 Lehre, dass alle Dinge für uns nur in ihren Beziehungen zueinander, nicht aber als Dinge selbst erkennbar sind * * * Re|la|ti|vịs|mus, der; (Philos.): 1. erkenntnistheoretische Lehre, nach der nur die… …   Universal-Lexikon

  • Relativismus — Re|la|ti|vis|mus 〈 [ vı̣s ] m.; Gen.: ; Pl.: unz.; Philos.〉 Lehre, dass alle Dinge für uns nur in ihren Beziehungen zueinander, nicht aber als die Dinge selbst erkennbar sind …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Relativismus — ⇡ Ethik …   Lexikon der Economics

  • Relativismus — Re|la|ti|vis|mus der; <zu ↑...ismus>: 1. erkenntnistheoretische Lehre, nach der nur die Verhältnisse der Dinge zueinander, nicht diese selbst erkennbar sind. 2. Anschauung, nach der jede Erkenntnis nur relativ (bedingt durch den Standpunkt… …   Das große Fremdwörterbuch

  • Relativismus — Re|la|ti|vịs|mus, der; (philosophische Lehre, für die alle Erkenntnis nur relativ, nicht allgemein gültig ist) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Ontologischer Relativismus — Der Terminus „Relativismus“ bezeichnet in der Philosophie vor allem einen Typ von Positionen zu der Frage, was Überzeugungen (oder Aussagen) bezüglich eines Themenbereichs wahr macht. „Relativistische“ Positionen in diesem Sinne besagen: Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Semantischer Relativismus — Der semantische Relativismus oder Bedeutungsrelativismus besagt: Ein und derselbe Begriff kann bei verschiedenen Subjekten und/oder zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Bedeutungen haben. Inhaltsverzeichnis 1 Terminologie 1.1 Ausdrücke… …   Deutsch Wikipedia

  • Linguistischer Relativismus — Die Sapir Whorf Hypothese besagt, dass die Sprache das Denken formt. Sie ist eine unter mehreren Hypothesen, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Sprache und Denken befassen. Dabei geht es um die Frage, wie sich eine bestimmte Sprache mit ihren …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.